Der aachener Fotograf Stephan Rauh zeigt „Charakterköpfe“ und „Cuba im Wandel“ im Forum M der Mayerschen Buchhandlung

Von Sabine Rother

Das Auge des Fotografen sieht Landschaften, das Herz des Menschen die Schicksale, Sehnsüchte und verborgenen Schönheiten: Mit einer ungewöhnlichen Doppelausstellung präsentiert der Aachener Fotograf und Designer Stephan Rauh im Forum M der Mayerschen Buchhandlung Aachen (Buchkremerstraße), was ihn bewegt, anregt, und was er einer Umwelt mitteilen möchte, die viel zu schnell daran vorbeischaut. Da blicken uns ungekünstelt und von einem oft schmerzlich verlaufenen Leben gezeichnet seine „Charakterköpfe“ an, Menschen, die er in der Obdachlosenküche im Aachener Kloster der Schervier-Schwestern getroffen hat. 18 Porträts, 18 Schicksale.

Ganz nah kamen sie dem Foto- grafen, ganz nah kommen sie auch dem Betrachter. Jede Falte, jede Bartstoppel sind zu sehen. Sie schauen den Betrachter tapfer an, Auge in Auge. Und sie stellen sich damit ihrem gelebten Leben, das irgendwann auf eine abschüssige Bahn geraten ist.
Schönheit des Alters ist auch da- bei, Ruhe, Skepsis, Ferne und grüblerische Distanz – was kann diese Welt, in der man durch das soziale Netz geglitten ist, noch bieten? Ei- ner von ihnen hat lange Zeit auf dem Lousberg zugebracht, und das in jeder Jahreszeit. Das Geflecht roter Äderchen im Gesicht zeugt von kalten Nächten. Für ihn hatte die Ausstellung, die Rauh inzwischen in Kirchen und kirchlichen Einrichtungen zeigen konnte, einen unerwarteten Effekt: „Sein Bruder erkannte ihn, die Familie wusste nicht, wo er geblieben war“, be- richtet der Fotograf. „Jetzt kümmern sie sich um ihn und er hat ein Zuhause.“

Jede dieser Persönlichkeiten hat eine Geschichte, Stephan Rauh kennt sie alle, aber er wahrt Geheimnisse und fordert die Menchen auf, hinzuschauen, mitzudenken, auszuhalten mit der Erkenntnis, was Leben bedeuten kann. Seine Menschen-Bilder wollen Zeichen setzen.
Und besonders beglückt hat ihn die Entscheidung eines Pfarrers, das Porträt seines alten Mannes, der schmerzlich-skeptisch in die Welt schaut, eine Weile über dem Altar einer Kirche zu zeigen. Zeichen setzen möchte Stephan Rauh gleichfalls in der Parallel-Ausstellung „Cuba im Wandel“. Hier ergänzt er die Fotografien durch Texte aus eigenem Erleben und mit vertiefenden Informationen. Die dreiwöchige Reise, bei der er nicht in Hotels sondern bei privaten Gastgebern gewohnt hat, lieferte ihm vielschichtige Einblicke. Der morbide Charme, den die Spuren einstiger Pracht auf jeden Reisen- den ausüben, hat gleichfalls den Aachener Fotografen angeregt und beeindruckt.

Aber er ist auch hier zu den Menschen gegangen, hat das heutige Kuba erforscht, porträtiert – häufig abseits der gewohnten Routen. Ist das Land auf dem Weg in eine bessere Zukunft? Das beschäftigt ihn. Die Fotoarbeiten werden greifbar, als ob man durch ein geöffnetes Fenster schaut: „So ähnlich ist das ja auch“, verrät Stephan Rauh. „Es sind Digital-Fine-Art-Drucke auf Glasplatten, eine sehr besondere Technik.“ Andere Motive wiederum wurden auf Holz gedruckt und erwecken den Eindruck, man hat die leicht verblichenen Bretter eines kubanischen Schuppens vor sich, der an historische Gestalten erinnert – Che Guevara, Fidel Castro.

Unwiderstehlich: Kubas Straßenkreuzer, der rosafarbene Cadillac, der türkisblaue Cheyenne als Taxi, Motive, an denen keiner vorbeigeht, schon gar nicht ein Fotograf. Er liefert zudem eine Erklärung jenseits der Romantik: „Die Kubaner dürfen keine neuen Autos haben, nur Wagen, die vor 1959, also vor der Revolution, zugelassen wurden.“

50 Bilder, 50 Impressionen, die sehr persönlich sind und jede Menge zu berichten haben. Eben Landschaften, die erzählen.

Noch bis zum 20. Dezember

„Charakterköpfe“ und „Cuba im Wandel“,

Fotoausstellungen mit arbeiten von Stephan Rauh,

Forum M – Mayersche Buchhandlung

Buchkremerstraße 1-7, Aachen

Bis 20. Dezember geöffnet

Montags bis Freitags 8 bis 15 Uhr.
Termine nach Vereinbarung: 0241/4777145